Hier findet ihr die digitale Version der Plakatreihe des Bgrs. Sie untersucht in drei Motiven die aktuelle Konjunktur von Rassismus, Sozialchauvinismus und Rechtspopulismus. Es geht um gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aus der Mitte der Gesellschaft, und um die Rolle staatlicher Institutionen wie der Arbeitsagenturen und Ausländerbehörden. Take a look!

Die drei Plakattexte:

Ras|sis|mus [it.-fr.] m; -men: Soziales Verhältnis. Gesellschaftliche (rechtliche, soziale) Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen aufgrund zugeschriebener oder hergestellter Unterschiede. Schaffung eines „Wir“ gegen „die Anderen“. Betroffenen werden gemeinsame, unveränderliche Eigenschaften unterstellt (Abstammung, Herkunft, Glaube), und als Ursachen gesellschaftlicher Probleme angelastet. Rassistische Herabsetzung unter eine politisch und wirtschaftlich dominante Mehrheitsgesellschaft stützt zugleich deren positive Selbstzuschreibung (→ nationale Identität), als Rechtfertigung und Verteidigung eigener Privilegien. Unterschiedliche, teils gegensätzliche Begründungen rassistischer Ausgrenzung (“Rasse”, Kultur) haben insofern die gleiche ideologische Funktion. Rassistischer Anpassungsdruck spaltet Betroffene, und unterwirft sie Ansprüchen wirtschaftlicher Verwertbarkeit. Vgl. → Integration, → Kapitalismus.

So|zi|al|chau|vi|nis|mus [schowi…; fr.] m; -: Krisenideologie des → Kapitalismus. Feindselig­keit gegen alle, die nicht ins Idealbild einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft passen. Ausgrenzung und Erniedrigung von Be­troffenen (“unproduktiv”, “faul”, “Schmarotzer”, “Hartz-IV-Betrüger”) als Versuch, den eigenen bedrohten Status zu schützen, und die eigene Nützlichkeit zu untermauern. S. unter­schlägt die gesellschaftlichen Ursachen von Massenarmut, und stellt sozialen Ausschluss als selbst verschuldet dar. Die Zumutungen der Standortkonkurrenz (Leistungskult, Verzicht für Staat und Unternehmen) erscheinen als alternativlos. Aggressive Formen des S. (→ Sarrazin) nur Ausdruck eines parteiübergreifenden Trends. Vgl. → Rassismus, → Rechtspopulismus.

Re|ch|ts|po|pu|lis|mus [lat.] m; -: Modernisierte Politikform von Teilen der extremen Rechten. Basiert auf Konstruktionen einer vermeintlich „christlich-abendländischen Wertegemeinschaft“ und → Nationalismus. Bietet autoritäre, vordergründig einfache Lösungen für zunehmende Krisen des → Kapitalismus, indem soziale Konflikte als Kulturkampf umgedeutet werden (“Untergang des Abendlandes”, “Überfremdung Europas”). R. wirbt mit Law-and-Order-Politik. Verspricht Zugehörigkeit zu einer privilegierten Gemeinschaft per Ausgrenzung von Menschen als “Kriminelle” und “Sozialschmarotzer” (→ Sozialchauvinismus), und über rassistische Feindbilder insbesondere gegen Muslime, aber auch gegen Sinti und Roma. Methodisch arbeitet R. mit Dramatisierung und inszeniert sich als Tabubrecher. Ein Hauptbetätigungsfeld ist das Internet. Gemeinhin werden Parteien wie PRO DEUTSCHLAND und DIE FREIHEIT als rechtspopulistisch bezeichnet. Ähnliche Positionen werden aber auch in etablierten bürgerlichen Parteien vertreten.

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