REDEBEITRAG des Bündnisses gegen Rassismus und Sozialchauvinismus

Rassismus und Sozialchauvinismus haben derzeit Hochkonjunktur. Insbesondere die Hetze gegen Menschen, denen ein „Migrationshintergrund“ zugeschrieben wird, aber auch gegen Erwerbslose und prekär Beschäftigte. Die deutsche Mehrheitsgesellschaft macht mobil gegen vermeintliche „Integrationsverweigerer“ oder „Sozialschmarotzer“. Das Phänomen ist nicht neu, Ausgrenzung gehört zum kapitalistischen Alltag. Aber mit der anhaltenden Krise, die auch westliche Staaten erschüttert, haben sie wieder deutlich an Fahrt gewonnen.

Die Thesen Thilo Sarrazins wurden zu Recht als rassistisch und sozialchauvinistisch kritisiert. Der eigentliche Skandal aber ist, dass Sarrazins grundsätzliche Anliegen längst gesellschaftlicher Konsens sind, und längst herrschende Politik. Alle müssen verwertbar sein und dem Standort dienen. Wer als „unnütz“ abgestempelt wird, hat nichts zu lachen. Nationale Verachtung trifft alle vermeintlich „Unproduktiven“, ob mit oder ohne „Migrationshintergrund“.

Doch bei aller Verwandtschaft rassistischer uns sozialchauvinistischer Denkmuster ist es wichtig, auch die Unterschiede zu betonen. Menschen, die als „Nichtdeutsch“ wahrgenommen werden, erfahren tagtäglich rassistische Ausgrenzung – egal ob sie im Beruf zur selbsternannten „Leistungselite“ gehören oder nicht. Die nationale Zugehörigkeit von herkunfts-deutschen Hartz IV-Empänger_innen wird hingegen nicht in Frage gestellt. Sie können sich jederzeit zum nationalen „Wir“ zählen, und entsprechende Privilegien fordern.

In letzter Konsequenz, ist es dieses nationale „Wir“, dass darüber entscheidet, wer dazugehört und wer abgeschoben wird. Eine Entscheidung mit drastischen Folgen, wie hunderte ertrunkene Flüchtlinge an den europäischen Grenzen jeden Monat aufs neue beweisen. Für sie kennt die „westliche Wertegemeinschaft“ höchstens geheucheltes Mitleid, in der Regel nicht mal das.

Rechtspopulistische Parteien versuchen aktuell genau diese Abgrenzungsreflexe zu radikalisieren. Obwohl diese Parteien noch keine großen Wahlerfolge feiern konnten, werden sie auf Jahre eine ernstzunehmende Gefahr bleiben. Ihre reaktionäre Politik kann unter weiterhin unsicheren gesellschaftlichen Bedingungen schnell mehrheitsfähig werden.

Wir haben uns als Bündnis zusammengeschlossen, um den verschiedenen Gesichtern von Rassismus und Sozialchauvinismus offensiv entgegenzutreten. Wir solidarisieren uns daher uneingeschränkt mit der ABOLISH-Kampagne, mit dem Kampf von Flüchtlingsinitiativen und antirassistischen Aktivist_innen für bessere Lebensbedingung und gegen diskriminierende Flüchtlingsgesetzte. Und wir möchten alle einladen, mit uns noch einen Schritt weiter zu gehen. Denn die kapitalistische Gesellschaft produziert ununterbrochen Ohnmacht und Ausschlüsse. Sie hat keine Integration verdient, sie gehört abgeschafft.

Integration – halt´s Maul!

ABOLISH Capitalism!

 

Address by the Berlin “Bündnis gegen Rassismus und Sozialchauvinismus“, the „Alliance against Racism and Social Chauvinism“

Racism and social chauvinism are booming. Many are stigmatized for their actual or alleged „migrant background“, others for being unemployed or living under precarious legal and economic conditions. Mainstram society is on a mad hunt for anyone perceived as „refusing to integrate“ or „exploiting the welfare state“. These phaenomena are not entirely new, as exclusion is a fundamental principle of capitalism. But with the global crisis persisting, they have regained political momentum.

Thilo Sarrazins propaganda is racist and socially chauvinist, no doubt about that. But the real scandal is that his basic assumptions are already commonsense, they’re the guiding principles of everyday politics. Everybody has to commit his or her life for the national economy’s competitive advantage. Those identified as „unproductive“ draw the crossfire of national disdain – be it with or without a „migrant background“.

But with all the similarities of racist and socially chauvinist ideologies, there are essential differences. Everyone perceived as „Non-German“ may face racist exclusion on a daily basis – regardless of his or her professional status. In contrast, the national affiliation of native white Germans is never disputed, even if they’re on welfare. They can always appeal to – and fall back on – privileges of the national collective.

Ultimately, it’s this nationalist distinction that draws the line between „us“ and „them“, between those recognized and exploited on the one hand, and those persecuted, disriminated and deported, on the other. A distinction with dramatic consequences, as we can tell from the hundreds of refugees drowning every month in the mediterranean, on the borders of western wealth. For them, western hipocrites know nothing but smug pity, if anything at all.

Currently, right wing populists try to radicalise widespread resentments against perceived „foreigners“. In Germany, they haven’t been too successful yet, but they remain a serious danger for the years to come. In times of economic instability, their reactionary ideologies may quickly draw a majority.

As an „Alliance against Racism and Social Chauvinism“, we have joined forces to battle the many faces of exclusion. We wholly support the efforts of ABOLISH, the campaign against discriminatory laws against refugees. And we would like to invite everyone to take it one step further. For it’s capitalism itself that continually reproduces exclusion. Capitalist society doesn’t deserve our „integration“, it needs to be abolished!

Integration? – No way!

ABOLISH capitalism!

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